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Nur 10%Die Bundesregierung hat diese Woche einen wesentlichen Teil ihres Konjunkturpaketes vorgestellt: Unter dem sperrigen Namen "ÖBB Rahmenplan und ASFINAG Bauprogramm" wurden 22,5 Milliarden EURO für Straßenbau und Verkehrsprojekte verabschiedet. Stolz kündigt man an, damit 320km Autobahnen und Schnellstraßen bauen zu können. Ich hätte einen kleinen, beinahe unbedeutenden Veränderungs-Vorschlag: Machen wir doch aus den EUR 22,5 Mrd ganz einfach EUR 20,25 Mrd. Damit würde dieses Bauprogramm budgetär um genau 10% gekürzt werden. Und diese 10% stecken wir ins Bildungssystem. Das entspräche dem Vierfachen (!!) dessen, was das Bildungsministerium aktuell als Fehlbetrag ausweist und was zu der unsäglichen 2-Stunden-Diskussion geführt hat. Also ohne nach zusätzlichen Effizienzen im Bildungssystem zu suchen (und da gäbe es bestimmt welche), wäre der aktuelle Bedarf von 500 Mio damit gedeckt plus es würden weitere ca. 1,7 Mrd EUR für die Modernisierung des Bildungsbereiches zur Verfügung stehen. Soweit ich das von Bauprojekten kenne, findet sich immer ein bissl Spielraum in der Projektbudgetierung, aber selbst wenn nicht: Dann würden eben nur 300km Autobahn gebaut werden. Aber statt dessen würde das Geld in Projekte gesteckt werden, die zukunftsorientiert sind und eine klar nachweisbare Langfrist-Rendite haben. Vielleicht stelle ich mir das ein bisschen einfach vor. Aber was spricht eigentlich dagegen? Technorati tags: Bildung Wer soll das bezahlen?Die beliebte Frage in Bildungsdiskussionen. Ich finde die Perspektive dieser Frage eigenartig, denn sie unterstellt, dass Bildung eine Ausgabe wäre. Das ist sie aber nicht - Bildung ist eine Investition, und zwar eine mit klar nachweisbarer Rendite. Die Statistik Austria stellt das explizit in 4 Punkten dar:
Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise ist die Budgetfrage höchst relevant, sowohl seitens der öffentlichen Hand als auch im privatwirtschaftlichen Sektor. Da würde sich doch ein Investitionsbereich mit Renditegarantie geradezu aufdrängen, oder?
Technorati tags: Bildung Partners in LearningDiese Woche hatte ich Gelegenheit, an der HTL Dornbirn beim Education Partnership Forum als Keynotespeaker und Teilnehmer an der Podiumsdiskussion einen Überblick zu meinem Researchprojekt "Zukunft der Bildung" zu leisten. Diese Veranstaltung findet bereits zum sechsten Mal statt und ist ein zentraler Treffpunkt für Bildungspartner in Vorarlberg, im besten Sinn des Wortes: Da sind Schüler im Publikum, die aktiv dafür eintreten, Verantwortung für ihren Bildungsweg zu übernehmen; Lehrer, die engagiert sind und gemeinsam mit ihrern Schülern Potentiale erschließen; aktive Eltern, die sich in die Schule einbringen, aber auch der Leiter des WIFI Vorarlberg, die Geschäftsführerin der IV und hochrangige Manager. Es gibt einen intensiven Dialog, der letztlich zu tollen gemeinsamen Projekten führt. Diese Projekte werden vorgestellt und sind Ausdruck von Unternehmergeist und Engagement. In meiner Studie habe ich gefordert, Unternehmen und Eltern mögen sich in geeigneter Weise in bildungsrelevante Prozesse einbringen und ihre Rolle als Schulpartner durch aktive Beteiligung wahrnehmen. Im Gespräch zwischen Hofrat Maier, dem Direktor der HTL, Prof. Hug, Abteilungsvorstand an der HTL und gleichzeitig Mastermind des Events, und Andreas Exner, für den Bildungsbereich bei Microsoft Österreich verantwortlich und seit Jahren zentraler Unterstützer des Education Partnership Forums, habe ich einen wirklich erfreulichen Einblick in eben diese Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaftspartnern erlebt. Und noch etwas habe ich live erlebt: Nämlich was passiert, wenn man in der Schule Kreativität fördert. Als krönenden Abschluß der Tagung veranstalten die Schülerinnen und Schüler eine abendfüllende Modenschau - mit selbst entworfenen und gefertigten Kleidern und selbst einstudierter Choreographie, wobei die tolle Show und die beindruckenden Kleider einer professionellen Modenschau wirklich kaum nachstehen. Im Lichte der aktuellen, unerquicklichen öffentlichen Diskussion war dieser Event ein weiteres Beispiel dafür, dass es eine ganze Reihe von sinnvollen und guten Diskussionen und Maßnahmen gibt, die unser Bildungssystem voranbringen. Was es dazu braucht, ist engagierte Zusammenarbeit, wie hier zwischen der HTL Dornbirn und Microsoft im Rahmen des Partners in Learning Programmes demonstriert.
Klage wegen Facebook-Kommentar?Ausgangspunkt der heutigen Reflektion ist folgender Vorfall: Hannes Offenbacher postet auf Facebook, dass er Videoproduzenten sucht. Sein Facebook-Netzwerk-Freund Michael Hollauf hat zunächst zwar keinen Ratschlag, an wen sich Offenbacher wenden kann, aber offenbar persönlich schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Firma gemacht und tut dies kund. Das liest sich dann so: Soweit nicht wirklich aufregend, doch die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung: Unmittelbar danach trifft nämlich bei Hrn. Hollauf ein namens der Firma Nuntio verfaßtes Anwaltsschreiben ein, in dem er aufgefordert wird, eine Unterlassungserklärung abzugeben, um aufgrund seiner "ehrabschneidenden Behauptung" eine Klage wegen Kreditschädigung abzuwehren. Den gesamten Anwaltsbrief hat Hollauf als Facsimilie hier gepostet. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass ich keine wie immer geartete Erfahrung mit Nuntio habe, ich kenne Hrn. Hollauf nicht, und ich habe von der Sachlage, die zur ursprünglichen Enttäuschung von Hrn. Hollauf geführt hat, keinerlei Kenntnis. Es könnte also theoretisch die Firma Nuntio grenzgenial sein und Hr. Hollauf ein schrecklich mühsamer Kunde, der sich über irgendeine eine Kleinigkeit unmäßig aufregt - ich weiss es nicht. Ich sehe aber, wie Nuntio in der Situation öffentlich geäußerter Kritik reagiert: Anstatt das hingeworfene Hölzchen aufzugreifen, und entweder im bilateralen Kontakt mit Hrn. Hollauf den schlechten Erfahrungen auf den Grund zu gehen und sie auszuräumen und/oder als Unternehmen selbst in Facebook zu kommentieren (bspw. "Hallo Herr Hollauf, tut mir leid, dass sie 'gaaanz schlechte Erfahrungen' mit uns gemacht haben, ich würde gerne verstehen, was wir besser hätten machen können, Sie erreichen mich unter ..."), wird umgehend der Anwalt bemüht. Auch anderen Facebookern fällt das auf, so heisst es in den vielen auf diese Story eingetroffenen Kommentaren beispielsweise: "Das war wohl wirklich keine intelligente Aktion dieser Firma. Egal ob sie die Klage einreichen oder nicht - die werd ich mir merken. [...] mittlerweile weiß leider auch bei uns im haus jeder, dass die firma mit kritik offensichtlich nicht umgehen kann". Die Geschichte zieht auch auf anderen sozialen Medien rasch ihre Kreise, die Firma Nuntio wird bekannt... Aus meiner Sicht liegt hier ein Musterbeispiel für mehrere Aspekte vor:
Kurz: Kundenzufriedenheit und Unternehmenskommunikation im Zeitalter von Web 2.0 lehrbuchartig zur Schau gestellt - nur halt eben als "So nicht"-Beispiel.
CEO Academy statt MikadoBeim Mikado verliert, wer sich als erstes bewegt. Im Auftrag von Microsoft Österreich haben wir (Reflections Research & Consulting, G3 Unternehmensberatung, FH Krems, Marion Scheiterer) in Teamarbeit ein Führungskräfteprogramm entwickelt, das beweist, dass im wirklichen Leben gewinnt, wer sich als erstes bewegt. Zielsetzung dieser "Microsoft CEO Academy" ist es, Microsoft Geschäftspartnern (Händler, IT-Berater, ...) Know-how für erfolgreiche Unternehmensführung, Vertriebsoptimierung und Strategieentscheidungen zu vermitteln. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir vier ein Akademie-Programm mit vier Schwerpunkt-Seminaren zusammengestellt, die einen Bogen über wesentliche Führungsthemen spannen:
Wir decken damit die Themenfelder Personal-Management, Marketing / Strategie, Finance und Vertrieb in knackigen Modulen ab. Ergänzt werden die Seminare durch persönliches Coaching. Dieses Coaching soll dazu dienen, den Teilnehmern das Übersetzen der Seminar-Inhalte auf die eigene Unternehmenspraxis zu erleichtern. Zielgruppe sind dabei direkt die Geschäftsführer dieser Partner-Unternehmen. Was das Programm so besonders macht, ist seine Ausrichtung speziell an den Anforderungen von Geschäftsführern von IT Unternehmen im KMU-Segment. Wir nehmen in dieser Ausbildung auf die Besonderheiten der IT-Branche Rücksicht und bieten eine praxisorientierte, zielgerichtete Erarbeitung der Themen. Letzten Herbst haben wir die Seminarserie gestartet, inzwischen wurde das Programm bereits ein zweites Mal durchgeführt und in den kommenden Wochen finden zwei weitere Seminarserien statt. Die CEO Academy ist also bestens gebucht, was mich aber besonders freut: Das Feedback der Teilnehmer ist extrem positiv. So sieht beispielsweise Hans Georg Wimmer, Geschäftsführer der Standard IT Solutions und Absolvent der Microsoft Partner CEO Academy seine Erwartungen an die Ausbildung klar übertroffen: "Die Idee, die Mitglieder des Microsoft-Partnernetzwerkes nicht nur bei fachlichen Fragen, sondern auch bei ihrer allgemeinen Geschäftstätigkeit zu unterstützen, ist ausgesprochen gut gelungen, die Teilnahme an der Microsoft Partner CEO Academy aus meiner Sicht überaus empfehlenswert. Jetzt ist die richtige Zeit, sich weiterzubilden, während die anderen weiter Mikado spielen. Abschließend gesagt: Ich habe viel für mein Unternehmen mitnehmen können." Mehr Information zur CEO Academy gibt's übrigens hier.
Technorati Tags: Leadership, Training Lehrer wehrt Euch gegen diese Gewerkschaft: 10 Punkte-PlanAls Ergänzung zu meinem Blogeintrag zur aktuellen Arbeitszeitdiskussion österr. Lehrer, bzw. zur Rolle der Lehrergewerkschaft, hier ein von mir vorgeschlagender Forderungskatalog von 10 Punkten. Die konsequente Einführung dieser Maßnahmen (und budgetäre Unterfütterung zur langfristigen Aufrechterhaltung jenseits vereinzelter Schulversuche) würde das Arbeitsleben der Lehrer spürbar und wirkungsvoll entlasten und gleichzeitig die Bildungsqualität heben.
Lehrer sind Knowledge-Worker im besten Sinn des Wortes, noch dazu mit hohem und nachhaltigem Multiplikatoreffekt. Es ist doch erstaunlich, dass ihnen nicht die gleichen Instrumente und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wie einem durchschnittlichen Knowledge-Worker in der Wirtschaft. Das wäre doch mal eine sinnvolle Gewerkschaftsaussage: "Liebe Frau Bundesminister, die Lehrer sind gerne bereit, ihren Beitrag zu leisten. Bevor wir aber über 2 Stunden mehr oder weniger verhandeln, lassen Sie uns doch bitte im Interesse der hochwertigen Bildung in Österreich einmal über die Arbeitsbedingungen der Lehrer verhandeln. Wir haben da eine kleine Liste mit 10 Punkten gemacht..." Doch indem die Gewerkschaften auf Beton-Kurs schalten, zementieren Sie ihren Ruf als veränderungsresistente Nein-Sager ein und erweisen damit ihrer Klientel einen Bärendienst. Und übrigens auch jenen, um die es am Ende des Tages wirklich geht: Den Kindern.
Technorati tags: Bildung Streik: Lehrer wollen nicht mehr arbeitenDieser Tage hat in den USA Präsident Obama in seiner Rede vor dem Kongress eindeutig Bildung als zentrale Priorität seiner Regierung dargestellt und dies ausführlich begründet. So weit sind wir in Österreich noch nicht, aber immerhin haben die Bereiche Bildung und Wissenschaft heuer trotz allgemein krisenbedingtem Sparbudget sogar mehr Geld bekommen. Nach österreichischem Maßstab kann das bereits als weitsichtig gelten. Doch wir haben Nachholbedarf und darum reicht das Geld trotzdem nicht für alle Vorhaben, die im Schulbereich richtigerweise auf der Agenda stehen – kleinere Klassen, bessere Tagesbetreuung, Kleingruppen- und Doppellehrerunterricht, Sprachförderung. Daher fordert die Unterrichtsministerin auch einen Beitrag der Lehrer ein. Die Reaktion läßt nicht lange auf sich warten: Die Lehrer steigen auf die Barrikaden. Doch hier besteht akute Abrutschgefahr. Denn solange dienstrechtliche Besonderheiten wie etwa die vier unterrichtsfreien Monate pro Jahr davon unberührt bleiben, solange österreichische Lehrer im Vergleich mit ihren Kollegen in anderen Ländern im Schnitt um 16% weniger arbeiten aber um 13% mehr verdienen, kann wohl kaum von einem "Affront" gegen Lehrer gesprochen werden. Tatsache ist, dass sich die hochgradig veränderungsresistenten Gewerkschaften reflexartig einer Diskussion entziehen und stattdessen mit billiger Polemik agieren ("Entweder Schmied kommt zur Besinnung und nimmt das zurück, oder..." bzw. "sie impliziert, dass sie 60.000 faule Hunde als Lehrer beschäftigt"). Die Medien greifen das dankbar auf - und es kann als deutliches Zeichen gelten, wenn sogar die Tageszeitung "Die Presse" leitartikelt: "Lehrer, arbeitet mehr." Einmal mehr zeigt sich, dass Lehrer etwas besseres verdient hätten, als diese sogenannte Personalvertretung. Denn davon, dass Lehrer im Konferenzzimmer bestenfalls einen 1 m2 großen Arbeitsplatz haben, dass sie selten oder nie jene Unterstützungs- und Ausbildungsmaßnahmen erhalten, die für andere Wissensarbeiter ganz selbstverständlich sind, dass sie überwiegend als Einzelkämpfer zu agieren haben statt in Teams arbeiten zu können, dass Ihnen bei der engagierten Gestaltung von kreativen Unterrichtsmaßnahmen eher Steine in den Weg gelegt, als Hindernisse beseitigt werden, davon spricht die Gewerkschaft nicht. Sie spricht lieber von Arbeitszeiten. Und damit ist völlig klar: Was Lehrer brauchen, ist keine Personalvertretung sondern eine Personalentwicklungsabteilung, so wie sie in der Industrie völlig selbtverständlich ist. Der Blick muss in die Zukunft gerichtet sein, ersthafte Personalvertreter haben die Frage stellen, wie das Potential und das Engagement der Lehrer bestmöglich gefördert werden kann, wie Lehrer unterstützt werden können. In der Studie "Zukunft der Bildung" wird dies explizit ausgeführt. Doch anstatt die Gelegenheit am Schopf zu packen und darauf hinzuweisen, dass Lehrer vielfach grauenhafte Arbeitsbedingungen vorfinden, und dass man konstruktive Vorschläge hätte, das - übrigens im Interesse der Hauptpersonen im Bildungssektor: der Kinder - zu verbessern, kommen vom Landesschulpräsidenten hilfreiche Aussagen wie: "Das wird sicher nicht möglich sein". Lehrer wehrt Euch - gegen diese Gewerkschaft.
Technorati tags: Bildung Minus 50% für FachhochschulenStellen Sie sich vor, Sie hätten seit 15 Jahren keine Inflationsanpassung bekommen und trotz hervorragender Leistungsbeurteilung und deutlich gestiegenen Aufgaben wäre Ihr Gehalt 1993 schlichtweg eingefroren und seither nie mehr angepasst worden. Unvorstellbar? Den österreichischen Fachhochschulen ist genau das widerfahren: Der FH-Bereich bekommt heute nicht mehr Bundesförderung pro Studienplatz als 1993. Auch die von der neuen Bundesregierung beschlossene Budgeterhöhung im Hochschulbereich bringt keine Erleichterung: ÖVP Wissenschaftsminister Hahn hat erst diese Woche klargestellt, dass das 1.6 Mrd Paket ausschließlich Universitäten zugute kommen soll. Im Herbst letzten Jahres wurde (unmittelbar vor der Wahl) eine Erhöhung der Studienplatzförderung um 34% beschlossen - heute (nach der Wahl) ist davon keine Rede mehr. Statt dessen hat der Minister angeboten, die Studienplatzfinanzierung um 13,7 Prozent zu erhöhen. Das käme einem inflationsbedingten Wertverlust von zirka 50 Prozent gleich. Soviel also zum Thema Bildungsoffensive. Erhard Busek hat in seiner Rolle als Rektor der FH Salzburg dazu deutlich Stellung bezogen. Während nämlich in öffentlichen Aussagen die FHs gerne und immer wieder als Erfolgsstory positioniert werden, und über die hervorragenden Absolventenzahlen (seit 2001 mehr als verdoppelt), die Industrienähe der Ausbildung und den unmittelbar positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt gesprochen wird, herrscht in der Praxis finanzielle Perspektivenlosigkeit: Der Bund hungert seine erfolgreichen Bildungseinrichtungen buchstäblich aus. Die Fachhochschul-Konferenz hat daher diese Woche in einem offenen Brief auf die bedrohliche Situation aufmerksam gemacht:
Ich sage es gerne und immer wieder: Dass sich Investition in Bildung rechnet, ist zigfach belegt, durch nationale und internationale Experten, durch konkrete Beispiele aus anderen Ländern, durch weltweite Erfahrungen. Eigentlich sollte daran kein Zweifel herrschen - doch die österr. Regierung sieht das seit inzwischen 15 Jahren offenbar anders...
Lassen Sie sich keinen Wilhelm aufbinden!Eine eher unbedeutende Rochade in der deutschen Regierungsmannschaft wurde dieser Tage zum Lehrstück für die Wichtigkeit von Medienkompetenz als grundlegende Disziplin für Bürger in modernen Demokratien: Nach dem Rücktritt des bisherigen deutschen Wirtschaftsministers wurde sein Nachfolger vorgestellt, ein gewisser Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg . Nun stammt Dr. Guttenberg aus altem fränkischen Adel und hat, würde er seinen Namen ganz ausschreiben, adelsüblich gleich zehn Vornamen: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester. Die BILD-Zeitung hat das amüsiert aufgegriffen und als Aufmacher formuliert: 'Müssen wir uns diesen Namen merken?'
Auch einem interessierten Wikipedia-Leser waren allerdings zuvor die zahlreichen Vornamen des neuen Ministers aufgefallen und er dachte sich einen kleinen Scherz aus: Was, wenn man in die lange Liste der Vornamen einen weiteren (aus der Luft gegriffenen) einfügen würde? Gesagt, getan, und so wurde in Wikipedia aus "Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg" kurzerhand "Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg"
Soweit so gut, ein kleiner Scherz eines Wikipedia-Nutzers. Was nun aber folgt, enttarnt die mangelnde journalistische Sorgfalt, das hohe Tempo und die Vernetzung unserer Medienlandschaft und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Denn der der falsche Vorname wurde von zahlreichen Medien ungeprüft aus Wikipedia bzw. in weiterer Folge voneinander "übernommen" (=neudeutsch für "abgeschrieben"). Die Liste der Medien, die den falsche Namen verwendet haben, beschränkt sich dabei nicht auf Boulevard-Blätter wie BILD, sondern beinhaltet genauso die Zierden des deutschsprachigen Qualitätsjournalismus: Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, RTL Nachtjournal. Und übrigens auch die Prime-Newssendung des ORF, die ZIB2:
Aber nicht nur die Arbeitsweise der Medien wurde durch den Scherz bloßgestellt, sondern auch die sovielfach gepriesene Methode der "Qualitätssicherung-durch-massenhaften-Input" bei Wikipedia. Denn skeptische Wikipedia-Autoren hatten sehr wohl Verdacht geschöpft und eine Korrektur eingemahnt. Doch der falsche Vorname verschwand nur kurzzeitig aus der Online-Enzyklopädie. Denn der Nachweis der Richtigkeit war schnell gefunden, immerhin hatte ja sogar 'Der Spiegel' den Namen so gedruckt. Und weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschreiben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachtet, wurde der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit. Selbstreferenziell nennt man das. Aus der Satire wurde rasch eine Diskussion, Spiegel & Co übten sich zerknirscht in Selbstkritik und gelobten künftig höhere journalistische Sorgfalt walten zu lassen und auch bei Wikipedia denkt man intensiv über andere Methoden der Qualitätssicherung nach. Doch das Übel muss an der Wurzel gepackt werden, will man es nachhaltig ausmerzen: Und diese Wurzel ist die unkritische Haltung der Konsumenten gegenüber "Wahrheiten" in den Medien. Das Internet hat zu einer Demokratisierung des Zugangs zu Information und Wissen beigetragen. Im gleichen Maße hat es zu einer Auffächerung von Wahrheiten geführt, die eine kritische Auseinandersetzung mit Inhalten erfordert. Wenn schon die sogenannten Qualitätsmedien davon betroffen sind, um wieviel mehr muss das dann erst für Inhalte nicht-professioneller Publizisten gelten: Heute kann jedermann eine Webseite mit Zahlen, Daten, Fakten veröffentlichen (so wie z.b. diesen Blog...) und mit vergleichsweise einfachen Mitteln sogar Nachrichtensendung erstellen und als privaten Fernsehkanal auf YouTube veröffentlichen. Nicht nur die Distributionsschwellen wurden also abgesenkt, sondern auch die Produktionsschwellen - und vielfach wohl auch die Qualitättschwellen. Umso höher ist die Verantwortung des einzelnen Medienkonsumenten, mündig und kritisch zu hinterfragen, wodurch die Glaubwürdigkeit von Information legitimiert ist. Denn nicht immer geht es um eine Lappalie wie den 7. Vornamen eines Ministers, der durch einen Witzbold verändert wurde und aus Unachtsamkeit vervielfältigt wurde. Es wären auch andere Szenarien denkbar, in denen man Ihnen nicht nur unabsichtlich einen Wilhelm aufbindet...
Technorati tags: Demokratie, Medienkompetenz In der Krise zeigt sich die KulturWir befinden uns in einer überaus interessanten Zeit im Personalmarketing. Die Wirtschaftskrise hat auf radikale Weise manche Entscheidungsvariablen transparent gemacht: Stabilität und Jobsicherheit erlangen schlagartig enorme Bedeutung. Allen Teilnehmern am Arbeitsmarkt ist klar: Jobsicherheit ist stets nur ein relativer Begriff. Doch je besser sich Unternehmen den Herausforderungen innovativer Märkte stellen, je höher sie herausragendes, kreatives Denken und makellose Umsetzung schätzen, umso höher sind die relativen Chancen dieses Unternehmens und umso höher ist auch die relative Jobsicherheit. Obwohl tausende Arbeitsplätze gefährdet sind, steht ausgerechnet die IT Industrie nicht vor einem unerschöpflichen Arbeitgeber-Markt: Smarte Mitarbeiter und Jobsuchende werden ihre Arbeitgeber besonders in Krisenzeiten selektiv auswählen und auf der Basis von Markenwert und Unternehmenskultur beurteilen. Allerdings dringen wir zum Kern dieser Begriffe vor: Denn wer mit einer mitarbeiterorienterten Kultur vor allem Fringe Benefits und ein laissez-faire-Management bezeichnet hat, der wird nun ebenso eines besseren belehrt, wie jene, die in Krisenzeiten die Freiheitsgrade der Mitarbeiter beschneiden und schlichtweg auf diszipliniertes Abarbeiten setzen. Stabilität bedeutet nicht die Abkehr von Kreativität und den dazu notwendigen Freiheitsgraden, sondern ein Hinwenden zu einem tieferen Verständnis des Begriffs Unternehmenskultur. Einem Verständnis, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer danach fragen, welchen Beitrag der Einzelne zum Unternehmenserfolg leisten kann und welche Voraussetzungen dafür erforderlich sind. So selbstverständlich Personalentwicklungsmaßnahmen wie etwa Mitarbeitergespräche, Performance-Feedback, Karriereplanung und Ausbildungsmaßnahmen sein mögen, gerade in der jetzigen Zeit erlangen diese Instrumente überragende Bedeutung für beide Seiten und sind daher mit besonderer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit einzusetzen. Konjunkturschwankungen haben Auswirkungen auf die Quantitäten in der Personalfluktuaktion – sowohl Aufbau als auch Abbau – sie sollten aber keine Auswirkungen auf die Qualität haben. Denn eines ist klar, sobald Unternehmen die Bindungskraft zu ihren Mitarbeitern lockern, werden eben diese Mitarbeiter auch ihre Bindungskraft an das Unternehmen lockern. Betroffen sind dabei zu allererst die besten und talentiertesten Mitarbeiter. Und der Mitbewerb schläft nicht, im Gegenteil sind manche Firmen aktuell sehr zielstrebig am Talentemarkt unterwegs. Beispielsweise hat die US Steuerbehörde kürzlich mit sagenhaftem Erfolg eine Karrieremesse ganz speziell für Wall Street Angestellte abgehalten – nach dem Motto: Die wirklich guten Finanzprofis werden immer gesucht. Krisenzeiten bedeuten enorme Herausforderungen für die Personalführungs-Kompetenz von Führungskräften. Sie müssen rasch und taktisch agieren, um ihrem Unternehmen die notwendige Dynamik zu verleihen, in unruhigen Gewässern zu manövrieren. Dabei darf aber der nachhaltige und strategische Ansatz nicht verloren gehen, er ist gerade jetzt umso wichtiger, denn der Mitbewerb um die besten Talente steht in der Krise nicht still – im Gegenteil.
PS: Dieser Text erscheint im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt.
Zukunft und Verantwortung
Das freut mich natürlich sehr, und fügt sich ausgezeichnet in die Reihe der recht umfangreichen Medienreaktionen und Berichte über meine Arbeit ein!
Doch so wichtig das von mir in dem FORMAT Kommentar angerissene Thema der Chancengleichheit ist, der aktuell entscheidende Artikel im findet sich auf Seite 26: Unter der Headline "Einstellungssache" hat FORMAT mit österr. Unternehmen gesprochen, die gerade jetzt in der Krise Mitarbeiter einstellen, und zwar nicht zu knapp: 10.000 neue Arbeitsplätze werden da geschaffen. Eine wirklich wohltuende Ausnahme im Strudel der Krisenmeldungen der letzten Zeit, die fast nur von sich gegenseitig übertrumpfenden Mitarbeiter-Abbau-Maßnahmen geprägt ist. Natürlich ist die aktuelle Konjunktursituation eine Herausforderung, und natürlich geht es darum, eine effiziente Kostenstruktur vorzuweisen. Gerade bei den Beschäftigten ist die Bremsspur üblicherweise relativ lang - während Investitionen und Budgets für Marketing und Training sehr rasch reduziert werden können (auch wenn das eine zweifelhafte Strategie ist), so sind doch meistens Personalmaßnahmen nicht kurzfristig wirksam. Glücklicherweise inzwischen auch nicht mehr beim Aktienkurs, Beispiele der letzten Tage haben gezeigt, dass die Börse Stellenabbau endlich nicht mehr als positives Signal wahrnimmt, sondern als Zeichen der Angeschlagenheit eines Unternehmens. Es ist doch faszinierend, dass vom Konsumenten geradezu gefordert wird, auch in angespannten Zeiten weiterhin konsumfreudig zu bleiben (und das sogar noch mit aberwitzigen Maßnahmen wie bspw. Verschrottungsprämie zu fördern versucht) - dass aber gleichzeitig Unternehmen nicht bereit sind, ins Risiko zu gehen. Ich frage mich: Wie erklärt man das dem kleinen Angestellten, den man "krisenbedingt" abbauen "muss", während man weiterhin Milliarden-Gewinne (im Quartal!) macht und ausreichend Kapital für Investitionen besitzt - alles keine fiktiven Beispiele, sondern ganz real zu beobachten in den letzten Wochen an der Börse. Im Übrigen ist derartiges Verhalten auch ökonomisch fragwürdig: Günstige Einkaufspreise, vorteilhafte Konditionen, ausreichende Kapazitäten sind jetzt vorhanden! Wie Warren Buffet es sinngemäß gesagt hat: Sei vorsichtig, wenn alle anderen mutig sind, aber sei mutig, wenn alle anderen vorsichtig sind - in der Krise investieren, nicht de-investieren! Und nach all den Horrormeldungen der letzten Monate scheint die Zeit gekommen, dass die Blue Chips zeigen, dass es sehr wohl ein Morgen gibt: Durch kraftvolle, vertrauensbildende Maßnahmen, durch Investitionen, durch mutige Zeichen. Unternehmerisches Handeln heisst meiner Meinung nach verantwortungsbewußtes Handeln. Die FORMAT Story "Einstellungssache" macht Hoffnung: Es ist schön zu sehen, dass es derartiges Handeln in Österreich gibt und dass ein Wirtschaftsmagazin in einer großen Geschichte darauf aufmerksam macht.
Nachhaltigkeit verschrottetAls konjunkturbelebende Maßnahme wird es also nun eine Verschrottungsprämie in der Höhe von EUR 1.500 geben - wenn man sein mindestens 13 Jahre altes Auto gegen einen Neuwagen eintauscht. Zur Beurteilung der Maßnahme ein paar Fragen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der ein 13 Jahre altes Auto fährt, auf einen Neuwagen umsteigt? Ich würde mal meinen, dass Zielgruppe sehr kostensensitiv ist und vermutlich eher auf einen jüngeren Gebrauchten umsteigen wird, als auf einen Neuwagen. Welche Wirkung hat der monetäre Anreiz von EUR 1.500? Machen wir eine kurze Recherche zum Lieblingsauto der Österreicher, dem VW Golf: Die aktuellen Vorführwägen sind - ausstattungsbereinigt - um deutlich mehr als EUR 1.500 günstiger als die jeweiligen Neuwägen. Zugegeben, das Angebot ist knapper, das Auto ist nicht ganz exakt so ausgestattet wie man das vielleicht haben möchte. Aber wir sprechen immer noch von jemand, der ein 13 Jahre altes Auto eintauscht... Wie hoch ist die Chance, dass die Verschrottungsprämie gegen die beim Neuwagenkauf angebotenen Rabatte gegengerechnet wird? Glaubt jemand ernsthaft, dass der Verkäufer fette Rabatte UND die Verschrottungsprämie geben wird - noch dazu, wo die Prämie ja teilweise vom Autohandel und der Autoindustrie getragen wird? Und letztlich: Der Öko-Gedanke. Minister Mitterlehner ging bei der Vorstellung der Aktion davon aus, dass die Prämie die Bürger dazu bewegen werde, "ihr altes, umweltgefährdendes Auto aus dem Markt zu nehmen". Nur zur Klarstellung: 13 Jahre klingt viel, aber das bedeutet nicht, dass das lauter völlig verkommene Schrottschüsseln aus unseren Kindertagen sind: Mit BJ 1996 bekommt man vernünftige Autos, beispielsweise Audi A3, Mercedes C-Klasse, VW Golf usw., alles keine verheerend unsicheren Dreckschleudern, sondern durchaus moderne Fahrzeuge. Daher: Wie sieht eigentlich die Öko-Bilanz bei der Fahrzeugproduktion aus? Gehen wir von einer durchschnittlichen Fahrleistung von 15.000km pro Jahr aus, wie viel weniger Schadstoffe muss der neue Golf produzieren, damit sich seine Herstellung gegenüber der Weiterverwendung des 13 Jahre alten aus ökologischen Aspekten gelohnt hat? Und wäre es daher nicht sinnvoller gewesen, die 45 Millionen Gesamtsumme in eine andere Maßnahme zu investieren? In der Beantwortung dieser Punkte komme ich zu der Erkenntnis, dass die Verschrottungsprämie weder konjunkturfördernd noch nachhaltig sinnvoll ist. Al Gore hat in seinem Buch "An inconvinient truth" geschrieben - "Green may very well mean green" und dabei auf die Farbe der Dollar-Gescheine Bezug genommen. Mit Ökologie und Nachhaltigkeit ließe sich also wirklich Geld verdienen. Eine wirkungslose Maßnahme wie die Verschrottungsprämie wird dazu aber nicht beitragen. Zukunft statt HerkunftBarack Obama ist der Beweis dafür, dass in den USA auch heute noch sehr ungewöhnliche Karrieren möglich sind: Das Kind eines afrikanischer Einwanderers, von seiner Mutter im Wesentlichen alleinerzogen aufgewachsen, schafft es an die Spitze des Staates. In dieser Disziplin ist er vergleichbar mit dem Gouverneur von Kalifornien - als Staat betrachtet immerhin die 8.-größte Wirtschaftsmacht der Welt. Und Österreich? Wie hoch wären die Chancen für einen Migranten, Bodybuilder und Darsteller in B-Movies Landeshauptmann von, sagen wir Oberösterreich, zu werden? Wie leicht würde es bei uns einem Kind mit Obama-Biographie fallen, Kanzler oder Bundespräsident zu werden? Die Antworten auf diese Fragen stehen fest und sind x-fach mit Daten und Fakten untermauert: Wie in kaum einem anderen Land hat in Österreich der familiäre Hintergrund extrem starke Effekte auf Bildungslaufbahn und Karriere. Ein Beispiel zur Untermauerung: Um mit 71%iger Sicherheit vorhersagen zu können, ob ein Kind die Matura machen wird, brauche ich Kenntnis über genau sieben Parameter: 1. Haushalts-Einkommen, 2. Bildungsgrad der Eltern, 3. Migrationshintergrund, 4. Geschwisterzahl, 5. Haushaltsform, 6. Einwohnerzahl des Heimatortes und 7. Geschlecht des Kindes. Fällt etwas auf? Kein Wort über Talente, Vorlieben, Stärken, Neigungen des Kindes. Statt dessen: Herkunft bestimmt Zukunft. Provokant gesagt könnte man auf den ganzen Prüfungs- und Zeugnis-Zinnober verzichten, und statt dessen gleich von Anfang an auf die Rückseite der Geburtsurkunde des Kindes draufstempeln: Matura bestanden ja/nein. Die Fehlerquote wäre 29% und man würde sich eine Menge Aufwand sparen. Das Erschreckende ist: Nicht nur die Tatsache steht fest und ist wiederholt nachgewiesen worden, auch die Gründe dafür und wie man sie beheben könnte, sind hinlänglich bekannt (schlagen Sie einfach im Kapitel "Grenzen überwinden" in meiner Bildungsstudie nach). Damit in Österreich eine Obama-Karriere möglich ist, wäre das Überwinden kleinkarierter Partikularinteressen einzelner Gruppen notwendig, zugunsten eines übergreifenden Gesamtbeschlusses: "Wir wollen auch weiterhin ein wohlhabendes Land bleiben, darum setzen wir energische Schritte im Bildungsbereich." - Damit es wieder um Zukunft geht, statt um Herkunft.
Lebenslange Bildung bedeutet rechtzeitige BildungEuropa verfolgt das Ziel, der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsraum der Welt zu werden – ein Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu vereinen. In absehbarer Zeit wird der Anteil der über 45-Jährigen an der Erwerbsbevölkerung von aktuell 28% auf über 40% steigen. Die Notwendigkeit, den Blick nicht nur auf die Ausbildung der Jugendlichen, sondern auch auf die permanente Weiterbildung während des Lebens zu richten, ist also offensichtlich. Für viele Menschen ist daher auch das Angebot an entsprechenden Bildungsmaßnahmen sowie die Möglichkeit, darauf zurückzugreifen, offensichtlich. Doch was für die einen völlig selbstverständlich ist, nämlich beispielsweise im Rahmen der Personalentwicklungsmaßnahmen des Unternehmens, in dem sie tätig sind, auch Zugriff auf Trainings zu haben, ist ausgerechnet für jene Menschen, die die den höchsten Bedarf an Fort- und Weiterbildung hätten, eben nicht selbstverständlich: Grundsätzlich schlecht ausgebildete und in unqualifizierten Jobs tätige Menschen haben üblicherweise die geringsten Chancen, auf Schulungsmaßnahmen zurückgreifen zu können, die vom eigenen Unternehmen angeboten werden. Dabei ist die Tatsache unbestritten, dass es Sicherung der Erwerbschancen ohne gleichzeitige Verbesserung der Qualifikation gibt. Denn während derzeit etwa ein Drittel der Arbeitskräfte in der Europäischen Union als gering qualifiziert gelten, werden nach übereinstimmenden Prognosen bereits im kommenden Jahr lediglich die Hälfte der neuen Arbeitsplätze in Europa für geringqualifizierte Bürger geeignet sein. Die Entwicklung könnte also dramatischer nicht sein und sie hat nachhaltigen Einfluss auf den beruflichen Erfolg für der Bürger und somit insgesamt für den Wohlstand in Europa. Die Bereitschaft des Einzelnen, während seines gesamten Lebens fortwährend dazuzulernen, reicht nicht aus – es braucht auch das dazupassende Angebot, neu strukturierte Bildungsservices und auch neu gedachte Finanzierungsmodelle. Denn eine umfassende Perspektive auf lebensbegleitendes Lernen bedeutet auch, dass sich die Finanzierungsverantwortung des Staates nicht nach dem Alter oder Beschäftigungsstatus der Lernenden, sondern nach der Art des angestrebten Bildungsabschlusses bzw. nach dem Bedarf des Einzelnen richten muss. Und zwar bereits während der Beschäftigung, und nicht erst wenn der Hut bereits brennt. So wertvoll die vom AMS angebotenen Schulungen für Arbeitslose sein mögen, sie kommen doch jedenfalls zu spät. Soll der Bildungspfad lebenslang ausgelegt sein, dann ist eine Orientierung am Lernbedarf bereits während der Beschäftigung wesentlich – somit entstehen neue Verantwortungen für Unternehmen und öffentliche Hand. PS: Dieser Text erscheint im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt.
Mutig in die neuen Zeiten!So steht es in der österr. Bundeshymne - eigentlich. Doch eben diese mutigen Fragestellungen, wo Österreich in 10 Jahren bei Bildung, Innovation, Energie, Gesundheit oder Sozialsystem stehen soll, wurden aus dem aktuellen Regierungsprogramm im Interesse einer konfliktfreien Zusammenarbeit ausgespart. Unsere Regierung sieht sich somit zwar als große Koalition, aber sie ist doch in Wahrheit nur eine mittlere Koalition - und das ist nicht nur quantitativ gemeint, sondern auch qualitativ. Denn wer für Finanzkrisen, Klimawandel und internationale Konflikte gewappnet sein will, und die Zukunft tatkräftig bestimmen will, der muss jetzt radikale Neuerungen anstreben. Das ist das verbindende Element der Aussagen einer Umfrage der renommierten Wochenzeitung ZEIT unter 33 Vordenkern. Neben Erhard Busek, Franz Fischler, Clemens Jabloner, Anton Pelinka wurden auf Einladung von Kovar & Köppl hochkarätige Experten im deutschsprachigen Raum interviewt - mit dem Ziel, jene Themen zu benennen, die trotz ihrer Brisanz weiterhin von Politik und Medien sträflich vernachlässigt oder gar hartnäckig ignoriert werden. Es freut mich sehr, dass auch ich an dieser Analyse teilnehmen durfte und ich bin sehr dankbar, zu diesem renommierten Kreis der Befragten zu zählen! Das Ergebnis gibt es ab heute druckfrisch am Kiosk nachzulesen - und natürlich auch online.
Jetzt nicht sparen!Sowohl die aktuelle Wirtschaftslage als auch die düstere Prognosen für die unmittelbare Zukunft lassen keinen Zweifel daran: Wir stecken in der Krise. In einer solchen Situation soll man vorsichtig agieren, sein Risiko minimieren und Einsparungsmaßnahmen treffen. Und gespart wird zunächst natürlich dort, wo es scheinbar nicht weh tut und offensichtlich recht einfach geht. Beispielsweise bei Training-, Aus- und Weiterbildung. Betrachtet man die bei Schulungsbudgets angesetzten Rotstifte, so könnte man zu dem Schluss gelangen, dass Qualifikationsmaßnahmen ein Luxusgut sind, das man sich zwar in guten Zeiten leistet, wenn es aber wirklich darauf ankommt unternehmerisch zu agieren, als erstes gestrichen werden kann. Es gibt jedoch drei Gründe, warum Sie sich anders entscheiden sollten: Erstens: Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern bleibt das zentrale Thema für innovative und zukunftsorientierte Unternehmen. Daran ändert sich auch in einem schwierigen Marktumfeld nichts: Wer glaubt, ausgerechnet in Krisenzeiten auf qualifizierte Mitarbeiter verzichten zu können, und stattdessen nur ausgabenseitig agieren zu können, der täuscht sich. Ein reiner Kostenwettbewerb wird auf Dauer in Österreich nicht zu gewinnen sein. So sieht das auch die Industriellenvereinigung: 69% ihrer Mitglieder bezeichnen die Lösung des Fachkräftemangels als wichtigste Herausforderung für ihr eigenes Wachstum. Und nicht umsonst investieren Branchenriesen gerade jetzt in eigene Ausbildungsinitiativen, wie beispielsweise in das Projekt Microsoft Karrierecampus, um dem Wirtschaftsstandort neue Impulse zu versetzen und eine neue Innovationsdynamik auszulösen. Zweites: Bildung zahlt sich aus. Es gibt einen klar nachweisbaren Zusammenhang zwischen Ausbildung von Mitarbeitern und Erfolg von Unternehmen. Setzt man die Forschungs- & Entwicklungsquote österr. Betriebe in Relation zu ihrer wirtschaftlichen Prosperität – ausgedrückt in Umsatzwachstum und Mitarbeiterwachstum – so erkennt man dies sehr deutlich: Je innovativer, desto erfolgreicher. Oder anders gesagt: Je eher die Mitarbeiter in der Lage sind, hochqualifizierte, kreative und innovative Leistungen zu erbringen, desto nachhaltiger ist der Erfolg des Unternehmens. Und dafür braucht es bestens ausgebildete Mitarbeiter. Drittens: Erfolg entsteht aus der Differenzierung. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es umso wichtiger, sich von seinen Mitbewerbern zu unterscheiden. Das gelingt einerseits durch kurzfristig wirksame absatzfördernde Maßnahmen, um die Nachfrage aufrecht zu erhalten. Zielführender ist jedoch antizyklisches Investment in mittelfristige Maßnahmen. Wer jetzt in Ausbildung und Forschung investiert, wird am Beginn des nächsten Konjunkturzyklus in der Pole Position stehen, während jene, die in der Krise nur gespart haben, erst einmal Versäumtes nachholen müssen. Die richtigen Dinge zu unternehmen, anstatt scheinbar leicht eliminierbare Dinge zu unterlassen, ist also das Gebot der Stunde.
PS: Dieser Text erscheint im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt. Technorati tags: Leadership, CW You cannot run an intelligent business......without Business Intelligence. So könnte man die Ergebnisse der 2. Business Intelligence Conference zusammenfassen, bei der ich die Plenarsitzung moderieren durfte. Und in der Tat hat sich die Lehre vom sinnvollen Nutzen der enormen Datenmengen, die in Unternehmen ohnehin vorhanden sind, bei immer mehr Führungskräften durchgesetzt. Seit inzwischen 3 Jahren in Folge nennen CIO's genau dieses Thema als eine ihrer obersten Prioritäten - und stimmen dabei auf erfreuliche Weise mit ihren CFOs überein. Zwei wesentliche Erkenntnisse scheinen mir für die Planung relevant zu sein: Erstens, die Unterscheidung zwischen Struktur und Empowerment richtig und bewußt zu wählen. In meinem Schaubild habe ich versucht darzustellen, was passiert, wenn man diese Dimension missachtet: Entweder setzt man dem einzelnen Mitarbeiter streng strukturierte, starre Werkzeuge vor die Nase, die seinen Bedürfnissen widersprechen und die Flexibilität nicht haben, die zur raschen und guten Entscheidungsfindung dazugehört. Das Ergebnis sind frustierte Benutzer, die über das enge Korsett der Unternehmensstrukturen klagen. Als Ausweg wird dann Excel als Business-Intelligence-Tool eingesetzt, jeder baut sich seine eigenen Spreadsheets für Budget, Forecast und Projektkalulationen. Prima für den Einzelnen, aber die Hölle im Teamwork, denn Datenkonsolidierung ist auf diese Weise schier unmöglich. Mal ganz abgesehen davon, dass man ewig darüber diskutiert, welche Version welches Spreadsheets nun die aktuellen Zahlen enthält. Richtigterweise muss man daher die Perspektive wechseln, und eine BI-Struktur aufbauen, die den Einzelnen flexibel arbeiten läßt, aber für Teams strukturierte Prozesse unetrstützt. Bei der BI Conference hat man eine Reihe solcher Lösungen gesehen.
Zweitens, BI verändert - wie soviele IT Werkzeuge - die Unternehmenskultur. Zumindest hat die mit BI geschaffene Transparenz von Zahlen, Daten und Fakten eine unglaubliche Sprengkraft innerhalb verkrusteter Hierarchien, in denen Wenige vieles wissen und alles entscheiden. BI funktioniert am Besten in dezentral operierenden Strukturen, die aufgrund der aufbereiteten Informationen rasch und selbständig entscheiden und agieren können. Damit kann BI massiv dazu beitragen, das Unternehmen dynamischer zu machen - aber eben auch weniger hierarchisch. Wer in seinem Unternehmen Transparenz nicht fördert, sollte BI entweder erst gar nicht einführen oder bereit sein, sich über den frischen Wind zu wundern, der plötzlich durch die Hallen weht.
Zum Nachlesen gibts die Konferenz hier.
Technorati Tags: Business Intelligence, Information Design Wege aus der VertrauenskriseKennzahlen, Statusberichte, Key Performance Indicators, Scorecards, Traffic Lights. Der Alltag vieler Manager. In Zeiten allgemeiner Krise ist es ganz selbstverständlich, dass man sein Business genau im Griff haben will, möglichst exakt Schwachstellen erkennen will, den Finger auf die Wunde legen will. In der Hoffnung, dass damit der erste Schritt zur Heilung gesetzt wurde. Nur leider führt die Sehnsucht nach Exaktem allzu oft in Richtung Mikromanagement und dann gilt ganz rasch: EKG funktioniert, Patient tot. Seit Heisenberg wissen wir in der Physik zweierlei: Erstens, man kann nur entweder den Ort oder die Geschwindigkeit exakt messen, nicht aber beides gleichzeitig. Und zweitens: Durch das Messen selbst verändert sich das System. Beides trifft auch auf die Wirtschaft zu. Wer den Versuch unternimmt, die Leistungen und Prozesse seines Unternehmens möglichst exakt zu messen, um jederzeit seinen Standort bestimmen zu können, wird rasch zu der Erkenntnis gelangen, dass damit die Dynamik des Unternehmens gebremst wird. Und natürlich verändert kleinteiliges Performance Management das Unternehmen. Wer ständig seine Arbeit verteidigen muss, wird sich recht rasch eine passende Strategie dafür zurechtlegen. Nicht immer wird diese Strategie jedoch dahin führen, dass die Arbeitsleistung steigt, viel häufiger wird wohl nach Methoden gesucht werden, das Meßsystem auszutricksen. Mit dem Resultat, dass keine Leistungssteigerung bewirkt wurde und dennoch alle Kennziffern auf Grün stehen. Der erzielte Wandel hat sich dann in der Unternehmenskultur eingestellt, und war so wohl nicht gewünscht. Im Ergebnis finden wir Strukturen vor, die nach innen gerichtet sind anstatt in Richtung Markt und Kunden. Und Mitarbeiter, die den wirklichen Sinn ihrer Arbeit nicht mehr erkennen und im besten Fall erschöpft, im schlechtesten Fall destruktiv agieren. Die Leistung des Unternehmens sinkt. Und wieder ergibt sich ein Grund, der Leistungsschwäche exakter auf den Zahn fühlen zu wollen, genauer nachzufragen, exakter zu messen. Die Abwärtsspirale beginnt sich zu drehen. Aber es gibt auch einen anderen Weg: Den Weg des unternehmerischen Vertrauens. Mit Vertrauen zu beginnen, grundsätzlich davon auszugehen, dass Menschen gerne etwas leisten wollen, sich einbringen und entfalten wollen. Die heutige Wirtschaft ist zu schnell, zu komplex, zu vielschichtig, um alle Dinge kontrollieren zu wollen. In der kreativen Wissensgesellschaft ist eine tayloristische Haltung, die darauf abzielt, dass Menschen zu funktionieren haben und man sie dabei messen kann, völlig falsch am Platz. Statt dessen ist eine ethische Grundhaltung gefragt, die darauf ausgelegt ist, Potentiale zu erkennen und dazu beizutragen, sie zu erschließen – fordernd, fördernd, unterstützend. Keine Rede von Blauäugigkeit oder von Planlosigkeit. Aber eine Menge Rede von Führung, vom Schaffen von Freiheitsgraden innerhalb gesteckter Rahmen, von Lösungsorientierung statt Problemorientierung. Das ist keine einfache Aufgabe, da fällt das Ablesen von roten, gelben und grünen Lichtern auf einer Scorecard bestimmt leichter. Aber es ist die dringend notwendige Aufgabe.
PS: Dieser Text ist im Rahmen meiner regelmäßigen Kolumne in der Computerwelt erschienen.
Technorati tags: Leadership, CW Auf einen Blick:Die Zukunft der Bildung visualisiert mit wordle.
Studie Zukunft der Bildung am Europäischen Forum Alpbach präsentiert
Gestern wurde bei den Wirtschaftsgesprächen des Europäischen Forum Alpbach die von mir verfaßte Studie "Zukunft der Bildung - das potentialorientierte Bildungssystem" vorgestellt. In dieser Studie habe ich ein Bildungswesen charakterisiert, das sich aus den Anforderungen der Wissensgesellschaft ableitet, und darauf durch gezielte inhaltliche und strukturelle Schwerpunktsetzungen vorbereitet. Diese umfassen u.A.:
Im potentialorientierten Bildungssystem, werden soziales Lernen, Kritik- & Demokratiefähigkeit und solidarisches Handeln in Arbeits- & Privatleben unterstützt. Eine solide Grundausbildung, soziale und persönliche Kompetenzen, humanistische Allgemeinbildung, Medienkompetenz und Kreativität sind gleichberechtigte Partner. Die Studie und Hintergrundmaterial dazu steht auf http://www.reflections.at/bildung/ zum Download bereit. Arbeitskreis Im Anschluss an die Präsentation hatte ich Gelegenheit, im Rahmen eines Arbeitskreises mit einem hochkarätigen Board darüber zu diskutieren - übrigens ausgerechnet in einer Hauptschule!
Hier einige der Kernaussagen der Podiumsteilnehmer: Erwin Niederwieser, Abgeordneter zum Nationalrat und SPÖ-Bildungssprecher: "Ich kann eigentlich alles, was in dieser Studie steht unterschreiben" [...] "Eindeutig ist, dass der Output unseres Bildungssystems bei den derzeit eingesetzten Geldmittel nicht zufriedenstellend ist." Herbert Paierl, Präsident des management club: "Österreichs Schulen stecken immer noch in den 70er Jahren. Die Schüler und Lehrer fühlen sich in diesem System derzeit nicht wohl. Deshalb ist es hart an der Zeit, sich Gedanken zu machen." Josef Lucyshyn, Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung: "Das Bildungssystem hat sich in den letzten 30 Jahren entwickelt, aber nicht dahin, wo wir es heute brauchen. Wir haben es in den letzten Jahren nicht geschafft, das Lernen auf das Individuum zu konzentrieren. Österreich ist daher bildungspolitisch gefordert, eine Bestandsaufnahme und anschließend eine Reform des Bildungssystems zu machen." Gertrude Schatzdorfer, Geschäftsführende Gesellschafterin Schatzdorfer Gerätebau GmbH & Co. KG und selbst ausgebildete Pädagogin: „Bildung beginnt nicht erst in der Schule, auch wenn das fälschlich oft so beurteilt wird. Der Kindergarten wird heute in Österreich noch immer nicht als Bildungseinrichtung gesehen. Dabei wird hier Wesentliches geleistet“ Handlungsbedarf besteht also, und die von mir aufgezeigte Richtung wird als wegweisend empfunden. Einen breiten Diskussionsprozess initiieren Die Veröffentlichung der Studie war somit der erste Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, um einen breiten Diskurs zum Thema Bildung einzuläuten. Das heißt: More to come, stay tuned ;)
Technorati tags: Zukunft der Bildung, Bildung, Schule, Lebenslanges Lernen, Employability, Kreativität, Alpbach, Europäisches Forum Alpbach |
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